Megalativ des verlustigen Ideals

vom bestesten zum schlechtestesten

Hintergrund

Es ist eine Beweinungsszene ohne Tränen zu sehen. Eine „inverse“ Pietà zudem, die Schmerzensmutter getragen statt tragend. Und Madonna scheint es auch nicht zu sein, eher eine ins Alter gekommene Marilyn.

Letztere drängt sich einem förmlich auf, wenn es um die Symbolsuche nach ästhetischen Superlativen und Idealen gehen soll. Zugleich eignet sie sich motivisch aber auch vorzüglich in post-warholschen Zeiten, nichtssagenden Kunsthandwerksversuchen einen Hauch von vermeintlichem Tiefgang und aufgesetztem kosmopolitischem Weltinteresse zu verleihen. Das was wehtut, ist häufig subjektiv. Die epigonenhafte Weiterführung dieser leider in Mode gekommenen zahllosen und das Auge schmerzenden Marilyn-Schmierereien, quasi im Sinne eines visuellen Pamphlets, verweist auf das zentrale Motiv des Bildes:
Die Banalität des Leidens.
Ein mechanischer Roboter als Träger, Ausdruck maximaler Affektneutralität, und doch vom göttlichen Auge geleitet, von oben stumm herabschauend, erscheint hier wenig Trost spenden zu können. Der Betrachter fühlt sich alleine gelassen in dieser schweren Stunde, wo Glanz und Lack des einst so Schönen abblättern. Der Versuch, das Liebgewonnene anzubinden und dadurch vielleicht doch in irgendeiner Form konservieren zu können, erscheint rein der Verzweiflung entsprungen und an seidenem Faden. Denn auch dieser droht zeitnah zu reissen.

Persönliche Hintergründe des Bildes liefern die tragisch zerbrochene Ehe eines Freundes, der Suizid eines weiteren Patienten und der nahende Tod des Vaters.

  • Künstler Andreas Wacker
  • Jahr 2016
  • Details Oil, Lorazepam, Pregabalin and Escitalopram on Canvas
  • Maße 130x200cm
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